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Museumsfest am 13.9.03 mit Theateraufführung
Mitteldeutsche Zeitung - Köthener Zeitung Mittwoch 19.03.03, Seite 11 Theater-Projekt Aufbrechen in ein fremdes Land Schüler lasen aus dem Tagebuch der Thea Gersten - Autorin besuchte Gröbziger Synagoge Von unserer Redakteurin SYLVIA CZAJKA Gröbzig/MZ. Der 16.Juni 1939. Da klappte ein 13-jähriges Mädchen ein Buch auf. Ein unbeschriebenes; Thea Gersten hatte etwas zu erzählen. Unbeschwerte Tage "Viel", sagt sie heute. Und ich erzählte es meinem Tagebuch". Sie erzählte von Philipp, ihrem Freund, mit dem sie in einer Leipziger Eisdiele in die Zukunft blickte. Er würde mal Ingenieur auf einem großen Schiff sein, sie eine Forscherin, die im Altertum herumkramt. Es waren unbeschwerte Tage in Leipzig. Es war eine unbeschwerte Freundschaft. Bis zur Pogromnacht. Wo ein 13-jähriges Mädchen plötzlich packen, aufbrechen musste in ein fremdes Land. In eine unbekannte Stadt, die Warschau hieß. In der alles anders war. Ganz ohne Philipp. ZUR PERSON Thea Hurst Thea Hurst, geb. Gersten, wurde 1925 geboren. Ihr Vater war ein angesehener Leipziger Pelzhändler. Sie besuchte 1933 bis 1938 die Carlebach-Schule. 1940 wurde sie geschlossen und wurde als Massenquartier für jüdische Familien bis zu den Deportationen genutzt. Dort ist heute die Blindenbibliothek von Leipzig untergebracht. Im Juli 1939 kam Thea Gersten nach Warschau, sie emigrierte wenig später mit ihrer Mutter nach London. 1948 wurde sie Britische Staatsbürgerin und besuchte erst im Sommer 2000 ihre Geburtsstadt Leipzig. Still war es gestern Vormittag in der Synagoge Gröbzig. Dort nahm jene Frau Platz, die einst als 13-jähriges Mädchen ihrem Tagebuch so viel anvertraute. Thea Gersten. Heute heißt sie Thea Hurst, ist 77 Jahre alt, lebt in Großbritannien und konnte gestern Schauspielerin Eva Langkabel, Frank Schilling und seinen Mitschülern lauschen, wie diese aus ihrem Tagebuch lasen, das nach 62 Jahren veröffentlicht wurde. "Das Tagebuch der Thea Gersten". "Ich habe gespürt, wie Menschen durch die Hölle gingen. Viele Jugendliche machen sich heute keine Gedanken mehr darüber, was Krieg bedeutet", formuliert Anja Zetsch. Es sei ein Buch, "das mich nachdenklich gemacht hat", erzählt die Zehntklässlerin aus der Gröbziger Sekundarschule. "Und ich, weiß, dass es heute noch Menschen gibt, die sich Meinungen anderer Leute annehmen. Das finde ich nicht o.k. Jeder muss doch seine eigene Meinung haben", daran glaubt Anja Zetsch ganz fest. Unterricht mal anders "Unterricht am anderen Ort", so heißt das Projekt, das das Schulzentrum Gröbzig gemeinsam mit der Synagoge der Stadt ins Leben rief. Und so sei gemeinsam mit dem Schulmuseum Leipzig und der Unterstützung der Stiftung Demokratische Jugend (Civitas) - eine Initiative gegen Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern - das Jugendtheater-Projekt "Das Tagebuch der Thea Gersten" ins Leben gerufen worden. Das Buch diene als literarische Grundlage, informiert Helga Lennartz, Zuständige für das museums-pädagogische Begleitprojekt. Die Jugendlichen werden mit Jüdischen Festen und Riten vertraut gemacht. Und das nicht nur in der Theorie. Effi Mendez, für die Regie verantwortlich, animierte die Jugendlichen, mitzuwirken und sich in das Stück zu integrieren, so erläutert Frau Lennartz. Deutschlehrerin Ute Zerbe fühlte sich gestern "emotional sehr berührt" von dem Besuch einer Frau, die nach all dem, wa,s sie erlebt hat, doch das Leben so sehr liebe. "Faszinierend eben", meint Frau Zerbe. Philipp hat Thea wiedergesehen. Und "die Gefühle einer großen Liebe haben sich in eine wunderbare Freundschaft verwandelt", berichtet Thea Hurst. Diese Freundschaft habe bis zu seinem Tod gehalten. |